Executive Summary

Schwellenländeraktien haben seit Anfang 2025 deutlich zugelegt – und für viele Anleger stellt sich die Frage, ob die beste Phase der Anlageklasse damit bereits hinter ihr liegt. James Donald, Portfoliomanager/Analyst und Leiter Emerging Markets bei Lazard Asset Management, sieht das anders: Aus seiner Sicht könnte die jüngste Rally erst der Beginn eines mehrjährigen Aufwärtszyklus sein. Dafür sprächen vor allem die Gewinnperspektiven: Für 2026 wird in den Emerging Markets ein Gewinnwachstum je Aktie von 74 Prozent erwartet, verglichen mit 29 Prozent in den entwickelten Märkten – so die Daten von J.P. Morgan und MSCI per Ende September 2026. Hinzu kommen attraktive relative Bewertungen und die vergleichsweise geringe Gewichtung von Schwellenländeraktien in globalen Anlegerportfolios.

Ich sehe das aktuelle Umfeld daher eher in der Anfangsphase eines längeren Schwellenländerzyklus als in einer späten Phase der Rally. Die gegenwärtige Situation erinnert mich an die Jahre 2001 und 2002. Seit dem Tiefpunkt im Januar 2025 haben Schwellenländeraktien laut Daten von J.P. Morgan und MSCI bis Ende Juni 2026 bereits eine Gesamtrendite von 72 Prozent in US-Dollar erzielt – im Aufwärtszyklus der 2000er-Jahre summierte sich die Gesamtrendite vom Tiefpunkt 2001 bis zum Höhepunkt vor der globalen Finanzkrise sogar auf 513 Prozent. Die Ausgangslage der Unternehmen ist heute aus meiner Sicht jedoch in vielerlei Hinsicht robuster als in früheren Zyklen: Stärkere Bilanzen, eine disziplinierte Kapitalallokation und eine höhere Qualität der Gewinne könnten eine länger anhaltende Phase überdurchschnittlicher Wertentwicklung stützen..

Gewinnwachstum als Treiber der nächsten Rallyphase

 

Auch für 2027 rechnen die Analysen von J.P. Morgan und MSCI mit einem deutlichen Gewinnvorsprung der Schwellenländer: Während für Emerging Markets ein Wachstum des Gewinns je Aktie von 24 Prozent erwartet wird, liegen die Prognosen für entwickelte Märkte bei 15 Prozent und für die USA bei 17 Prozent, jeweils per Ende September 2026.

Allerdings verteilt sich diese Dynamik nicht gleichmäßig über die Anlageklasse. Ein wichtiger Teil des erwarteten Gewinnwachstums entfällt auf Asien: Besonders Südkorea und Taiwan profitieren von der Nachfrage nach Halbleitern, Hochbandbreitenspeichern und anderen Komponenten für KI-Anwendungen. Gleichzeitig zeigen Chinas Technologie- und Industriesektoren eine solide Widerstandsfähigkeit bei den Unternehmensgewinnen, obwohl die Binnennachfrage verhalten bleibt. In Indien und Teilen Lateinamerikas stützen dagegen eine sich verbessernde Inlandsnachfrage, Erträge im Finanzsektor und Reformen die Gewinnaussichten.

Bewertungsabschläge und geringe Anlegergewichtung

 

Auch die relativen Bewertungen sprechen aus meiner Sicht für Schwellenländeraktien. Trotz der starken Kursentwicklung seit 2025 bleibt der Bewertungsabschlag gegenüber Aktien aus entwickelten Märkten im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt weiterhin groß.

Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede bei Unternehmen, die am globalen KI-Investitionszyklus beteiligt sind: In Bereichen wie Halbleiter, Software und digitale Infrastruktur werden Unternehmen aus den Emerging Markets mit Bewertungsabschlägen von rund 30 bis 50 Prozent gegenüber vergleichbaren US-amerikanischen Aktien gehandelt – obwohl ihr Gewinnwachstum ähnlich hoch oder teilweise sogar höher ausfällt.

Ein weiterer Faktor ist die bislang vergleichsweise geringe Gewichtung der Anlageklasse in globalen Anlegerportfolios. Im Februar 2025 entfielen lediglich 5,9 Prozent der Anlagen globaler Aktienfonds auf Emerging Markets. Gleichzeitig repräsentierten die Schwellenländer 23,1 Prozent der globalen Aktienmarktkapitalisierung und 61,9 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Die wirtschaftliche Bedeutung der Schwellenländer spiegelt sich damit aus meiner Sicht bislang nur begrenzt in ihrer Gewichtung in globalen Aktienportfolios wider. Das könnte Spielraum für eine stärkere Berücksichtigung der Anlageklasse eröffnen – ein Selbstläufer ist das allerdings nicht, denn vieles hängt davon ab, ob sich die positiven Gewinn- und Wachstumsperspektiven tatsächlich bestätigen.

Nicht alle Schwellenländer profitieren gleichermaßen

 

Anhaltend hohe Energiepreise könnten insbesondere energieimportierende Volkswirtschaften in Asien belasten, während rohstoffexportierende Länder teilweise davon profitieren. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten, Veränderungen globaler Lieferketten und unterschiedliche geld- und fiskalpolitische Rahmenbedingungen. Auch der Technologiesektor in Nordasien ist trotz seiner starken Gewinnperspektiven nicht frei von Risiken: Die jüngsten Kursverluste bei südkoreanischen Halbleiterwerten verdeutlichen, wie anfällig die Märkte für Stimmungsschwankungen rund um den KI-Investitionsboom sein können. Trotz dieser Risiken bleibe ich zuversichtlich.

Gewinnwachstum, Bewertungen und Portfoliogewichtung sprechen für einen anhaltenden Aufwärtszyklus. Da die Chancen jedoch nicht gleichmäßig verteilt sind, ist es wichtig, die Fundamentaldaten und Bewertungen einzelner Unternehmen sorgfältig zu analysieren.

 

James Donald

Head of Emerging Markets Group

Warum Emerging Markets bei Lazard?

Das achtköpfige Emerging Markets Equity-Team bei Lazard Asset Management um James Donald hat durchschnittlich über 30 Jahre Industrieerfahrung. Es verwaltet knapp 51 Mrd. USD per 30.06.2026 und investiert aktiv über mehrere Marktzyklen hinweg erfolgreich in Emerging Markets-Unternehmen. 

Der per Stand 15.10.2026 knapp 1,3 Mrd. USD große und aktiv gemanagte Lazard Emerging Markets Equity Fund (A Dist USD | ISIN: IE00B1L6MF22), folgt einem Quality Value-Ansatz. Er zielt darauf ab, den MSCI Emerging Markets Index zu übertreffen bei gleichzeitig niedrigerer Volatilität. Der Fonds investiert in der Regel in Aktien von Unternehmen, die sich in Ländern befinden, die im MSCI Emerging Markets Index enthalten sind mit einer Marktkapitalisierung von über USD 300 Mio. und einer ausreichenden Liquidität. Dabei konzentriert sich das Team auf Titel mit in der Regel mehr als 3 Mrd. USD an Marktkapitalisierung. Unternehmen, die nicht in den Schwellenländern ansässig sind, aber mehr als 50% ihres Nettovermögens und/oder ihrer Umsätze aus Schwellenländern erzielen, sind ebenfalls in unserem ursprünglichen Universum enthalten.

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Veröffentlicht am 23. Oktober 2026.

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